Wir brauchen ihre Aufmerksamkeit und ihre Unterstützung!

Sehr geehrte Damen und Herren Bundesrätinnen und Bundesräte
Sehr geehrte Damen und Herren Regierungsrätinnen und Regierungsräte
Sehr geehrte Damen und Herren Mitglieder kommunaler Exekutiven
Meine Damen und Herren Parlamentarier und Parlamentarierinnen aller Staatsebenen

Vor zwei Wochen, am 16. März 2020, wurde die kleine Welt der familienergänzenden Kinderbetreuung zum ersten Mal in der Geschichte der Schweiz von allen nationalen Verantwortungsträgerinnen und –trägern «heraufgestuft» zu einem Bereich, der systemrelevant und wesentlich für das reibungslose Funktionieren unserer Gesellschaft ist. Die familienergänzende Kinderbetreuung ermöglicht nicht nur die Aufrechterhaltung der gesellschaftlich unabdingbaren Bereiche wie dem Gesundheitswesen, der Rechtspflege und der Polizei sowie die Versorgung der Bevölkerung mit Nahrungsmitteln. Sie rettet und schützt direkt Leben, indem sie die Ansteckung einer ganzen Bevölkerungsgruppe verhindert, auf die bei allen bisherigen Kinderbetreuungskrisen fast schon selbstverständlich zurückgegriffen wurde: die Grosseltern.

Die vom Bundesrat in seiner Verordnung eingeführte Massnahme in Art. 5 Abs. 3 und 4 betreffend die Offenhaltung der Kindertagesstätten hat die systemrelevante Rolle der Kinderbetreuungseinrichtungen festgelegt, obwohl gleichzeitig die Schulen geschlossen wurden. Diese Massnahme wurde von den Kantonen sehr unterschiedlich interpretiert. Wir verzichten darauf, im Detail auf all die unzähligen, unterschiedlichen Interpretationen und Umsetzungen einzugehen. Unser Hauptproblem ist die gesicherte finanzielle Abgeltung.

Zwei Wochen später sind wir Akteure im Bereich der familienexternen Kinderbetreuung immer noch sprachlos: Die Welt applaudiert (zurecht) den Fachkräften im Gesundheitswesen; der Bundesrat gratuliert denjenigen, die die Versorgung der Bevölkerung sicherstellen; die Medien berichten über die für diese Krise mobilisierten Soldaten; die Migros dankt via TV-Spot ihrem Personal; die Gewerkschaften fordern die Schliessung von Baustellen unter freiem Himmel – und ein Bündnis von Arbeitgebern, SBFI, den Gewerkschaften und der EDK wollen Lernende nach Hause schicken. Gleichzeitig herrscht Funkstille in Bezug auf das Kinderbetreuungspersonal. Es ist in der öffentlichen Wahrnehmung quasi inexistent. Dabei sind unsere Erzieherinnen und Erzieher, unabhängig von ihrer Ausbildung, vom Praktikanten bis hin zur Kita-Leiterin und dem Kita-Leiter, täglich dem Kontakt mit potentiellen Covid-19-Trägerinnen und –Trägern ausgesetzt, ohne dass sie einen Abstand von 2 Metern einhalten können, ohne bei ihrer Arbeit versagen zu dürfen, ohne Schutzkleidung in Anspruch nehmen zu können. Kurz gesagt: Sie stehen direkt an der Frontlinie. Geben wir Ihnen die Aufmerksamkeit und Anerkennung, die sie verdienen!

Zu dieser notwendigen Anerkennung kommt ein weiterer, entscheidender Punkt hinzu: Bis dato hat noch niemand versichert, dass diese Kosten gedeckt werden. Keine Garantie für die Gewährung von Kurzarbeitsentschädigung durch die Kantone; keine Garantie, dass Eltern ihre Rechnungen ohne mit der Wimper zu zucken bezahlen (können) werden, während sie ihre Kinder zu Hause selbst betreuen; keine Garantie für Mietzinsvergünstigungen usw.

In vielen Kantonen sind es einzig die Eltern, welche die Kitas unterstützen, und zwar indem sie ihre Rechnungen bezahlen, obwohl sie die Dienstleistung nicht nutzen können oder sollen. Sie lassen uns verständlicherweise ihre Unzufriedenheit spüren. Hier sind Sie gefordert: Wenn Sie die familienergänzende Kinderbetreuung, ohne die unser gegenwärtiges System insbesondere im Gesundheits- und Sicherheitsbereich kollabieren würden, weiter sicherstellen wollen, müssen Sie, sehr geehrte Politikerinnen und Politiker, Ihre Verantwortung wahrnehmen.

Wir hören, dass der Bundesrat an einer entsprechenden Verordnung arbeitet. Wichtig ist, dass alle (öffentlichen, privaten und teil-subventionierten) familienergänzenden Kindertagesstätten dadurch gestützt werden. Entscheidend sind drei Punkte:
die Deckung von Fixkosten, unabhängig davon, ob die Kindertagesstätte offen ist oder geschlossen werden musste;
die Abgeltung von durch die Pandemie verursachten Zusatzkosten wie die Notfallkinderbetreuung, die Verpflichtung zur Arbeit in Kleinstgruppen und der enorme zusätzliche Organisations- und Verwaltungsaufwand;
die bedingungslose Anerkennung von Kurzarbeitsentschädigungen in allen Kantonen.
Die drei Massnahmen würde uns Akteuren der Branche erlauben, die Elternbeiträge bei Selbstbetreuung teilweise zu erlassen.

Unser Branche ist offenkundig systemrelevant und muss gestützt werden. Sehr geehrte Damen und Herren Politiker und Politikerinnen, sägen Sie nicht am Ast, auf dem Sie sitzen. Denken Sie daran, dass die Krippen Ihnen erlauben, unser Land am Laufen zu halten. Es ist jetzt an der Zeit, die Kindertagesstätten zu unterstützen.. Die Alternative ist, dass reihenweise namentlich private Leistungsträger wegen persönlicher oder finanzielle Erschöpfung zusammenbrechen könnten. Keine Branche, die für das Funktionieren der Schweiz in dieser Krisenzeit notwendig ist, sollte in Krisenzeiten allein gelassen oder aufgegeben werden. Für die Wiederbelebung der Wirtschaft wird es entscheidend sein, dass alle Kindertagesstätten weiterhin voll funktionsfähig sind.

Wir geben unser Allerbestes und nehmen unsere Verantwortung wahr. Wir leisten unseren Beitrag, um die Krise zu überstehen, und nach Kräften die Gesellschaft zu unterstützen. Dafür sind wir auch auf Ihre Aufmerksamkeit und Unterstützung angewiesen.

DANKE!

Freundliche Grüsse

Frédéric Baudin Maissen, CEO Gruppe pop e poppa familienservice

Kontakt:
Frédéric Baudin Maissen, CEO: Mobile +41 79 311 26 23, frederic.baudin@ppfs.ch

Das Kitanetzwerk der Gruppe pop e poppa familienservice setzt sich aus 52 Betreuungseinrichtungen mit 2’060 Plätzen in der ganzen Schweiz zusammen. Mit unserem Netzwerk für vor- und ausserschulische Kinderbetreuung ermöglichen wir eine bessere Vereinbarkeit von Beruf und Familie und bringen so die Bedürfnisse der Kinder und Familien mit denen der Gemeinden und Unternehmen bestmöglich in Einklang. Wir sind schweizweit vertreten und arbeiten für internationale, nationale oder regionale Partnerunternehmen mit Tausenden von Mitarbeitenden. Wir zählen über 1’000 Mitarbeitende mit mehr als 600 Fachleute in der Kinderbetreuung.