Schon bei einem kurzen Ausflug in die Spielzeugabteilung wird klar, dass die meisten Artikel in Rosa und Blau präsentiert werden! Ist das gut oder schlecht? Wie finden Sie Geschenke, mit denen Ihr Kind sich gut entwickeln kann?

Hat es die Unterscheidung zwischen Spielzeug für Mädchen und für Jungen schon immer gegeben?

Nein, erklärt das Deutsche Institut für Marketing . Gender-Marketing – die stereotype Entwicklung von Produkten speziell für Jungen oder Mädchen – findet seinen Ursprung in den USA in den 1990er Jahren. In Europa und in Deutschland ist das Konzept erst seit wenigen Jahren als Spezialdisziplin innerhalb des Marketing bekannt. 

Das Gender-Marketing verfestigt Klischees … und zwar nicht zum Wohl der Kinder, sondern um mehr zu verkaufen!

 

Es ist wichtig, sich mit den Rollen der Erwachsenen identifizieren zu können!

Schritt für Schritt entwickelt Ihr Kind eine eigene Identität und dazu gehört natürlich auch, das eigene Geschlecht kennen zu lernen. In der Entwicklung der Geschlechtsidentität von Kindern unterscheidet Lawrence Kohlberg drei Phasen: Geschlechtsidentität (bei Kindern im Alter von etwa 2 Jahren), Geschlechtsstabilität (3 bis 4 Jahre) und Geschlechtskonstanz (5-7 Jahre). Kinder «unterscheiden das Geschlecht der Menschen anhand von soziokulturellen Anzeichen wie Frisur, Kleidung und verwendetes Spielzeug».  

Sie suchen ständig nach Vorbildern, um die eigene Identität zu entwickeln. Deshalb haben diese Vorbilder eine grosse Bedeutung und man sollte Kindern gute Vorbilder bieten, die ihre Entwicklung fördern.

 

Die Last der Klischees

Warum ist es nicht sinnvoll, einem Kind sehr stereotype Rollen beizubringen? Zahlreiche Studien haben die Verbindung von Geschlechterstereotypen und sozioökonomischen Ungleichheiten beleuchtet. Mit anderen Worten: Kleine Mädchen und Jungen haben nicht dieselben Chancen, einen Beruf zu ergreifen, der technisch ist oder Führungsverantwortung erfordert. Sie erhalten nicht einmal das gleiche Gehalt für die gleiche Arbeit. Und umgekehrt werden Jungen kaum Kompetenzen angerechnet um Erzieher zu werden. Ausserdem passt Ihr Kind sich dann starren Stereotypen an, die vom Marketing vorgegeben werden, anstatt die eigenen Talente zu entdecken und auszuleben

Warum passiert das bereits bei Spielzeugen für Kleinkinder? Weil Jungen beispielsweise bessere Chancen haben, ihr räumliches Vorstellungsvermögen und unternehmerisches Denken zu entwickeln, wenn sie in sehr jungem Alter mit geschlechtsspezifischem Spielzeug spielen. Dies könnte «zum Teil die Unterrepräsentation von Frauen in der Wissenschaft und Technologie erklären», so Jamie Jirout, Leiterin des Forschungszentrums für Ausbildung und Lernen an der Universität Virginia (USA). Wussten Sie übrigens, dass Puzzles oder Legomodelle für Mädchen weniger Teile haben, als die für Jungen?

 «Geschlechtsspezifisches» Spielzeug trägt zur sozioökonomischen Ungleichheit bei.  

 

Wie können Sie richtig handeln?

  •   Entscheiden Sie sich für geschlechtsneutrales Spielzeug ✔️ Sie erkennen es an den klischeefreien Farben, die zu jedem passen!
  •   Achten Sie darauf, dass Ihr Kind unterschiedliche Spielformen ausprobiert:

    Spiele, bei denen es Mitgefühl entwickelt
    Spiele, bei denen es Eigeninitiative entwickelt
    Bau- und Konstruktionsspiele
    Spiele, bei denen es seine künstlerischen Fähigkeiten entwickelt (Malerei, Musik, Tanz…)
    kooperative Spiele
    sportliche Spiele
– und noch viele andere!

  •   Ordnen Sie Aktivitäten und Objekte keinem Geschlecht zu ✔️ Betonen Sie nicht die Tatsache, dass etwas «für Mädchen» oder «für Jungen» ist.
  •   Helfen Sie Ihrem Kind dabei, eine kritische Einstellung zum Marketing zu entwickeln✔️. Davon kann es auch in anderen Situationen profitieren! Zu diesem Thema gibt es einige Geschichten, die perfekt auf die Kleinsten abgestimmt sind:

    «Julian ist eine Meerjungfrau» von Jessica Love (Buch) – die Geschichte eines Jungen, der mit der Unterstützung seiner Grossmutter, seinen Traum eine Nixe zu sein, wahr macht.

    «Das ist doch kein Beruf für einen Wolf» von Annette Feldmann (Buch) –  Wölfe fahren nicht zur See, aber die Wölfin Isa Grimm will unbedingt Schiffskapitänin werden. Trotz aller Bedenken ihrer Familie verfolgt sie beharrlich ihren Traum.

    «Olivia ist doch keine Prinzessin» von Ian Falconer (Buch) – eine kleines Schweinchen fragt sich: Warum verkleiden sich alle kleinen Mädchen so gern als Ballerina oder Prinzessin?

Halten Sie stets die Augen offen, denn das Angebot an geschlechtsneutralen Produkten wird von Tag zu Tag grösser!