Willkommen in einer Welt, in der die Erziehung auf den neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen zur Gehirnentwicklung basiert. Ein Ansatz, der sich durch grosses Einfühlungsvermögen der Erwachsenen auszeichnet und von pop e poppa bereits sehr früh umgesetzt wurde.

Vor gar nicht allzu langer Zeit, im Jahr 2015, fand ein für die pädagogische Welt bedeutendes Ereignis statt: die Veröffentlichung des Buches «Pour une enfance heureuse, Repenser l’éducation à la lumière des dernières découvertes sur le cerveau» der Kinderärztin Catherine Gueguen, auf Deutsch etwa: «Eine glückliche Kindheit ermöglichen, Erziehung im Lichte der neuesten Erkenntnisse über das Gehirn neu gedacht». Auf dieses erste Werk, das sich an Fachleute richtete, folgte 2017 sein Gegenstück für die breite Öffentlichkeit: «Vivre heureux avec son enfant, Un nouveau regard sur l’éducation au quotidien grâce aux neurosciences affectives», auf Deutsch etwa: «Glücklich leben mit Kind, Ein neuer Blick auf den Erziehungsalltag basierend auf der affektiven Neurowissenschaft».

Anhand dieser Erkenntnisse führte die Kita-Leiterin Anne Nagy mit allen Erziehenden von pop e poppa in der Westschweiz Fortbildungen im Bereich Neurowissenschaft durch und zog dabei auch mehrmals Frau Dr. Catherine Gueguen hinzu. 

Wie also sieht es aus, wenn die Neurowissenschaft auf die Erziehung angewandt wird?

Eine andere Sichtweise: Das Kind ist kein «Monster, das man zähmen muss»

Die Vorstellung, dass Kinder auf die Erwachsenen «sauer sind», dass sie «Monster sind, die man zähmen muss», hat ausgedient, erklärt Anne Nagy. «Wir haben eine ganz einfache Haltung: Wir sagen und tun den Kindern nichts, das wir nicht selbst erleben möchten

Ein Comic zum Schmunzeln, der ins Schwarze trifft: Zahlreiche Situationen, in denen Kinder Kommentare zu hören bekommen, die Erwachsenen gegenüber unangebracht wären, beleuchtet die Illustratorin Fanny Vella in ihrem Buch  «Et si on changeait d’angle?» mit einem Vorwort von Frau Dr. Gueguen, auf Deutsch etwa: «Was, wenn wir die Sichtweise ändern würden?».

«Ausserdem wissen wir, dass das Gehirn darauf ausgelegt ist, zu anderen Beziehungen aufzubauen und Kontakt aufzunehmen. Bei dieser Sichtweise ist die Beziehung zwischen Erwachsenen und Kindern und die Art, wie die Erwachsenen mit den Beziehungen der Kinder untereinander umgehen, äusserst wichtig

Wenn ein Kind eine Enttäuschung erlebt, erzeugt diese ein mehr oder weniger starkes Gefühl, je nach emotionaler und geistiger Reife. Bis zum Alter von 5 Jahren haben Kinder keine Neuronen, mit denen sie ein «übersteigertes» Gefühl bewältigen können. Nur wenn sie in den Armen von Erwachsenen Sicherheit finden, können sie es überwinden.

Ein weiteres häufiges Beispiel: Ein Kind verhält sich aggressiv. Sein Verhalten zeigt, dass es von seinen Gefühlen überwältigt wurde. Wenn es ein anderes Kind gehauen hat, lernt es auch, dass dieses danach weint. Erwachsenen kommt die Rolle zu, diese Gefühle zu begleiten, damit das Kind lernen kann, dass es nicht richtig ist, jemanden zu schlagen, und dass es andere Möglichkeiten gibt, um sich auszudrücken und zu beruhigen: darüber reden oder sich von einer Bezugsperson in den Arm nehmen lassen. 

Einfühlungsvermögen, das Salz des Lebens!

Um seine Sichtweise ändern zu können, braucht man ein grosses Einfühlungsvermögen. Nur so können die Erziehenden bewusst handeln, zuhören, verstehen und reagieren, ohne zu verurteilen oder Schuldgefühle zu wecken

Die Fachleute von pop e poppa sind für dieses Verhalten ausgebildet und haben sich intensiv mit ihren eigenen Erfahrungen auseinandergesetzt, um in schwierigen Situationen möglichst ruhig bleiben zu können. 

Eltern hingegen fällt es meist schwerer, die Ruhe zu bewahren, da ihnen solche Situationen an die Nieren gehen.

Wie geht man am besten damit um? Frau Dr. Catherine Gueguen betont, wie wichtig es zunächst einmal ist, sich selbst gegenüber einfühlsam zu sein. Wenn man sich und die eigenen Stärken und Schwächen kennt, kann man besser mit ihnen umgehen. Das  wiederum trägt dazu bei, dass wir uns im Umgang mit unseren Mitmenschen angemessen verhalten.

Wie es wohl wäre, wenn wir alle etwas wohlwollender und gutmütiger wären mit anderen?