Heutzutage begegnen Babys Bildschirmmedien bereits kurz nach der Geburt, also beinahe so früh wie ihrem Nuggi! Denn gerade bei den hypervernetzten Eltern sind diese Medien häufig so allgegenwärtig, dass man sie fast für Familienmitglieder halten könnte. Doch Vorsicht, Bildschirmmedien fördern die Entwicklung nur bedingt. 

Für den Psychiater Serge Tisseron, die «3-6-9-12 Faustregel» lautet: kein Fernsehen vor 3 Jahren, keine eigene Spielkonsole vor 6 Jahren, Internet nach 9 und Soziale Netzwerke nach 12 Jahren. Fachorganisationen wie Pro Juventute oder kantonale Fachstellen sind sich bei diesem Thema einig. 

 

«Keine Bildschirmmedien unter drei Jahren»

In Ländern wie Frankreich oder Belgien ist dieses Motto bereits bekannt. Zwar gab es in der Schweiz (noch) keine gross angelegte Kampagne zu diesem Thema, doch auch hier weist man darauf hin, dass vor dem dritten Geburtstag auf Bildschirmmedien verzichtet werden sollte (etwa im Flyer von no-zoff.ch, der Jugend- und Familienberatungen der Zentralschweiz)

Warum? Babys sollen, vor allem bis zu ihrem zweiten Geburtstag, ihr Gehirn und ihre Persönlichkeit aktiv entwickeln, was dem passiven Konsum von Bildschirmmedien widerspricht. Mit ihren fünf Sinnen entdecken sie die Welt «da draussen», die Wirklichkeit und das Träumen. Doch wenn Kinder Bildschirmmedien (wie den Fernseher, das Smartphone oder das Tablet) bereits sehr früh kennenlernen, kann dies weitreichende Folgen haben! Bildschirmmedien stören die Entwicklung des Gehirns, den Spracherwerb und die Konzentrationsfähigkeit und können sogar zu Schlafproblemen, Sehstörungen und Übergewicht führen. Medien sollen nicht als Babysitter eingesetzt werden. Kleine Kinder können die Bilder und Eindrücke nicht einordnen und verarbeiten.

Wie lange darf die tägliche Bildschirmzeit ab drei Jahren höchstens sein? 30 Minuten!

 

Ab sechs Jahren «un poco ma non troppo»

Ab sechs Jahren können Bildschirmmedien in engen Grenzen genutzt werden, wenn ein Erwachsener dabei ist. Verwenden Sie hierfür am besten Tablets mit interaktiven Apps

Wie lange sollte die tägliche Bildschirmzeit ab sechs Jahren sein? Höchstens eine Stunde täglich, aber niemals beim Essen, vor dem Schlafengehen oder um das Kind zu beruhigen.

Im Alter von 6 bis 9 Jahren können Sie Ihrem Kind die kreative Nutzung des Computers beibringen und ihm zeigen, wie man im Internet surft. Und bis zum Alter von 12 Jahren sollten Sie ihm erklären, wie es seine privaten Daten schützen kann. Ab 12 Jahren können Eltern ihre jugendlichen Kinder schliesslich daran heranführen, das Netz zielgerichtet zu verwenden und sich darin nicht zu verlieren. (Alle Details erfahren Sie auf dem Blog von Serge Tisseron https://www.3-6-9-12.org/)

 

«Nutzung» ist besser als «Konsum»

Stellen Sie Regeln und Grenzen auf, wenn Sie Ihr Kind an den Medienkonsum heranführen. Welche Inhalte? Zusammen mit wem? Wann? Für wie lange? Wenn Sie diese vier Grundfragen klären, legen Sie damit den Rahmen für den Medienkonsum fest. 

Beim Medienkonsum (Videospiele spielen, fernsehen, YouTube-Videos schauen oder die sozialen Medien nutzen) handelt es sich meist um eine passive Tätigkeit. Sie dient der Unterhaltung, Ablenkung und dem Vertreiben von Langeweile. Deshalb muss man sie begrenzen, damit sie nicht überhand nimmt. Natürlich gehört etwas Flexibilität im Umgang mit Medien dazu, allerdings sollte der Freizeitkonsum niemals zu stark ansteigen. 

Gleichzeitig können Sie mithilfe von Bildschirmmedien aber auch: die Verbindung zu Familie und Freunden in der Ferne pflegen oder auf Unmengen von Informationen zugreifen. Mit einigen Programmen kann Ihr Kind sogar Fremdsprachen lernen oder ganze Unterrichtsstunden anschauen! Eine unerschöpfliche Quelle des Wissens.

Grundsätzlich gilt: Wechseln Sie zwischen unterschiedlichen Aktivitäten ab. Achten Sie darauf, dass Ihr Kind möglichst viel Zeit ohne Bildschirmmedien verbringt und sich austoben kann. 

Und nicht zu vergessen: Gehen Sie als Erwachsene als gutes Beispiel voran und verantwortlich mit dem hypervernetzten Umfeld um. Dazu gehört auch, das Smartphone zur Seite zu legen!